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Besuch von Mirjam Pressler im Deutschseminar
"Ich war selbst einmal Kind und habe ein gutes Gedächtnis", antwortete die berühmte Kinder - und Jugendbuchautorin Mirjam Pressler zügig, als sie bei ihrem Besuch im Deutschseminar am 12.07.2011 von einer Referendarin danach gefragt wurde, wieso sie sich so gut in die kindliche Seele hineinversetzen könne.
Mit ihrer fesselnden Stimme gelang es der zierlichen Dame mit dem forschen Blick sofort, die Studienreferendare in die Welt ihres neuen Buches "Ein Buch für Hanna" zu entführen. In diesem beschreibt sie die Geschichte von Hanna, einer Israelin, mit der die Autorin eine lange und intensive Freundschaft verband. So war Mirjam Pressler gezwungen, die jungen Lebensjahre ihrer Freundin zu rekonstruieren, da sie sie nach deren Tod leider nicht mehr dazu befragen konnte. Die Tragik dieser Lebensgeschichte bestehe laut Mirjam Pressler darin, dass diese Frau vom 14. bis zum 23. Lebensjahr - einer Lebensspanne, in der man sich seine Bildung aneignet - in Konzentrationslagern verbringen musste. Wie ein solch wertvoller Mensch derartige Umstände bewältigen konnte, beschäftigte die Autorin nachhaltig und veranlasste sie nicht zuletzt dazu, dieses Buch zu schreiben.
Für das Seminar Deutsch an der Staatlichen Realschule Landshut war nicht nur die Lesung eine eindrucksvolle und berührende Erfahrung. Genauso stark imponierte wohl die Lebensgeschichte der Autorin, in die sie innerhalb einer Fragenrunde Einblick gewährte: So war das Lebensziel der Autorin ursprünglich, Malerin zu werden, weswegen sie auch an der Akademie der bildenden Künste studierte, allerdings hatte das Schicksal etwas anders mit ihr vor: Sie bekam drei Kinder, ließ sich scheiden, eröffnete, um ihre Kinder zu ernähren, einen Jeansladen, den sie schließen musste, und begann so aus einer finanziellen Notlage heraus zu schreiben. Der Zugang zur Kinder - und Jugendliteratur wurde ihr durch ihre eigenen Kinder eröffnet, die mit Vorliebe skandinavische Kinderbücher lasen.
Bereitwillig gab sympathische Frau Einblicke in die Arbeitsweise einer Schriftstellerin. Sie besteht in ihrem Fall zu großen Teilen aus Recherchearbeit, die die Autorin auch direkt an den Ort des Geschehens reisen lässt, zum Beispiel nach Frankfurt in das Judenviertel für ihr nächstes Projekt: eine Sammlung jüdischer Geschichten. In diesem Punkt ist Mirjam Pressler eine Perfektionistin, sie lässt ihre Bücher von einem Historiker Korrektur lesen, um die historische Wahrheit ihrer Geschichten zu gewährleisten. Die Einblicke in die Welt der Schriftstellerei sowie die faszinierende Aura einer Mirjam Pressler, die stets bereitwillig und hellwach alle Fragen der Studienreferendare beantwortete, waren ein echtes Highlight für das Seminar Deutsch.
Agnes Glashauser, Verena Liebl, Hildegard Loy, Seminar Deutsch





